02 Februar, 2011

Al-Ahram ist wieder online, heute:

















Wiedergeburt Ägyptens!
Nicht in den Ruin!

20 Dezember, 2010

Al-Ahram Karikatur von heute


Überschrift in der Zeitung:
70 000 Korruptionsfälle in Ägypten jährlich

"Geehrter Herr, riechen Sie nicht den Geruch von Korruption?"
"Bei Gott, nein. ... ich habe Schnupfen!"

16 Dezember, 2010

Al-Ahram Karikatur von heute

"Sie sagen ich sei ein israelischer Agent ...und ich fraß die deutsche Frau aus Rache für Hitler ... und in Wahrheit bin ich nur ein hungriger Zeitgenosse (Bürger) wie der Rest der Menschen."

25 November, 2010

Al-Ahram Karikatur von heute:


"Warum steckst du deine Nase in unsere Angelegenheiten?"

24 November, 2010

Al-Ahram Karikatur von heute


Auf den Plakaten steht (rechts nach links; oben nach unten)

Wählt mich: Ich bin schön.
Wählt mich: Ich bin schön.
Wählt mich: Ich lächle.
Wählt mich: Ich bin sauber.
Wählt mich: Ich bin großzügig/ehrwürdig.
Wählt mich: Ich bin gerecht.
Wählt mich: Ich bin gläubig.

23 November, 2010

Al-Ahram heute


Auf dem Plakat:

"Wählt das Symbol des Schlüssels!"

"Also ehrlich, die Geschichte lehrt uns, dass das bessere Symbol dafür doch wohl der Dietrich wäre."

Hintergrund:
In Ägypten wird nächsten Sonntag das Parlament gewählt. Auf den Wahlplakaten der Parteien sind Symbole angebracht, die den Analphabeten die Orientierung erleichtern sollen. Eines der Symbole ist der Schlüssel. Zu meiner Zeit 2005 gab es u.a. auch Pistolen und Kanonen.

12 November, 2010

Anbetung in Islam und Christentum

Wer die Moschee im islamischen Zentrum von Wolfsburg betritt, dem fällt sofort der kalligraphisch gesetzte Vers in arabischer Sprache auf (Sure 4,103): Das rituelle Gebet ist für die Gläubigen eine Vorschrift zu festgesetzten Zeiten.
Die Anbetung sujuud (Beugung) zusammen mit dem Gebet salat, wird im Islam nicht dem persönlichen Befinden überlassen, sondern ist streng geregelt (Sure 4,102).


Das muslimische Glaubenssbekenntnis, die Shadada, ist ein Bekenntnis zur Einheit Gottes und damit zur Einheit des Kultus, der von Mohammed abgeleitet wird. Es gibt darum auch nur eine Gebetsrichtung, nämlich die nach Mekka. Anfangs war es Jerusalem. Dies änderte sich, als Mohammed merkte, dass die Juden sich nicht in sein neues Bekenntnis einfügen ließen. Die Anbetung in einer vorgegebenen Richtung diente seitdem auch als Abgrenzung und verläuft für den Beter wie folgt: Er beginnt mit der zuvor notwendigen Waschung. Stehend wird das Gebet durch die Formel allahu akbar und dem ersten Vers aus 114 Sure eröffnet (andere Formeln und erste Sure folgen im Gesamtverlauf). Der Beter beugt sich vor, dabei sind die Hände auf die Knie gestützt, er richtet sich wieder auf, hebt die Hände zu den Seiten seines Gesichtes, spricht eine weitere Formel und geht wieder auf die Knie: Nase, Stirn und Zehen berühren den Boden, anschließend nimmt er eine kniende Position ein, es folgt eine zweite Niederwerfung und er steht wieder auf. Das ganze nennt man einen rak´a (wörtl.: Beugung, wie sujuud). Er kann den rak´a wiederholen. Am Ende wird die gesamte Anbetung in einer Sitzpostion mit weiteren Formeln abgeschlossen. Der Vorwurf, Muslime beteten den schwarzen Stein in der Kaaba an, wird von ihnen entschieden zurückgewiesen. Im Islam herrscht eine strenge Vorstellung davon, dass nur Gott anbetungswürdig ist. Daher ist die Kaaba auch leer. Sie ist Symbol für die Reinigung des Glaubens von den Götzen, die dort in vorislamischer Zeit angebetet wurden.

Mohammed als Gegenstand der Verehrung
Gleichzeitig erfährt Mohammed höchste Verehrung, wenn nämlich ein Moslem seinen Namen ausspricht, vollzieht er unmittelbar im Anschluss auf die Namensnennung ein Lob auf ihn: salla allahu alaihi wa sallam. Gewöhnlich wird das übersetzt mit Gott segne ihn und spende ihm Heil. Der Göttinger Arabist Tilman Nagel (geb. 1942) will das Verb salaa konsequenter als rituell beten übersetzen, wie es in der Regel auch sonst geschieht, also: Allah vollziehe zu ihm gewandt das rituelle Gebet und entbiete ihm den Friedensgruß. Mohammed kommt damit höchste Referenz zu. Nagel tut dies in Anlehnung an die Hauptaussage des Buch-Klassikers Die Heilung von Qadi Ijad ibn Musa al-Jahsubi (gest. 1149). Dieser bezieht sich dort auf Sure 33,56. Nagels Buch Allahs Liebling (2008) dreht sich um diesen Aspekt. Die Koran- und nicht zuletzt die Hadithauslegung des Qadi machen Mohammed zum Gegenstand der Verehrung, denn es gibt kein Wissen, dass der Moslem letzten Endes – so der Duktus des Buches, – nicht der Vermittlung Mohammeds verdankt (bei Nagel S. 60, 145). Nagel versteht darum den Islam – gestützt auf jenes Werk – als Mohammedanismus (S.79, 153).

Anbetungskritik zur Zeit Hiskias
König Hiskia wollte seiner Zeit die Anbetung von der Gefahr des Götzendienstes frei halten. Wir erinnern uns: Mose hatte eine Schlange aus festem Material anfertigen lassen, die, wenn man auf sie schaute, vor den giftigen Schlangen bewahrte, die Gott als Gericht für den Ungehorsam des Volkes geschickt hatte (Num 21). Diese eherne Schlange wurde als Erinnerung bis zur Zeit Hiskias aufbewahrt. Hiskia musste sie aber zerstören lassen, weil sie selbst zum Gegenstand der Verehrung und damit zum Götzen wurde (2. Könige 18,4). Er (…) zerschlug die eherne Schlange, die Mose gemacht hatte. Denn bis zu dieser Zeit hatte ihr Israel geräuchert…. Ob Hiskia auch den schwarzen Stein, der schon in vorislamischer Zeit in der Kaaba integriert war und heute offensichtlich eindeutig durch Berühren und Küssen verehrt wird, entfernt hätte, müssen wir dahingestellt sein lassen. Mohammed konnte jedenfalls die Verehrung des Steines und die Referenzerweisungen seiner Nachfolger ihm gegenüber offensichtlich gut für seine Sache gebrauchen.

Anbetung bei Jesus
Fest steht, dass es in der Bibel von Anfang an eine deutliche interne Kultkritik gibt, z.B. am Tempel: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? (1. Könige 8) Auch Jesus folgt dieser Linie (Joh 4,21): „… es kommt die Zeit, dass ihr weder auf diesem Berge noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet…“

Dieses Zitat stammt aus der Begegnung von Jesus mit der Frau am Brunnen im Gespräch über die Anbetung. Sie, als Samariterin betet auf dem Berg Garizim an. Das lag daran, dass Samarien, im Nordreich gelegen, vom Südreich Juda lange getrennt war und darum einen eigenen Ort der Anbetung beanspruchte (Vers 20): Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten soll. Jesus antwortet jener Frau (Joh 4,24): Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Anbetung braucht – sozusagen als Ausdruck erster Ordnung – keinen besonderen Ort und keine bestimmte Gestalt, sondern eine Haltung im Geist und in der Wahrheit. Was aber, – wie schon in der Weihnachtsgeschichte zu bemerken ist, – Jesus als Gegenstand der Anbetung wahrgenommen wird?

Muslime stört es zutiefst, dass Jesus im Neuen Testament göttliche Verehrung zukommt, obwohl er selbst die Ehre nicht bei sich, sondern bei Gott, seinem Vater suchte (Joh 7, 18; 8, 49f). Es ist die gewaltfreie innere Autorität und göttliche Vollmacht, die Jesus ganz auf die Seite Gottes verortet, ohne dass Jesus dies einforderte. In der folgenden Geschichte wird das deutlich (Mk 2,5-12): Jesus sprach zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus (…) sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen…denn es geht nicht um ihn. Jesus bestätigt das auf seine Weise: (Joh. 8,54): Wenn ich mich selber ehre, so ist meine Ehre nichts. Es ist aber mein Vater, der mich ehrt.
Jesus steht somit auf der Seite Gottes und verdient unsere Anbetung.

10 September, 2010

Muslimische Glaubensstärkung

Wenn man sich heute die Leserbriefe in der Al-Ahram zur Absage der Koranverbrennung durchliest, dann stellt man fest, dass nicht wenige diese Absage als Gottesurteil auffassen:

Der Leserbrief von Nabil Hamam beginnt: (إرادة الله فوق كل شيئ) "Der Wille Gottes steht über allem." Terry Jones hat dem Islam durch seine unbedacht geplante Provokation Muslimen eine Glaubensbestätigung geliefert.

Zu diesem Thema hatte ich der FAZ am 8.9. folgendes geschrieben, dass (bisher) nicht veröffentlich würde:

Den Koran zu verbrennen, bedeutet die verwundbarste Stelle des Islam zu treffen, nämlich ihr göttliches "Hörbuch", das die Stimme Gottes ins Diesseits holt, eine Ikone (A. Schimmel). Harry A. Wolfson spricht von der Inlibration, der Buchwerdung Gottes. Ich habe die daraus resultierende Hochachtung vor diesem Buch über viele Jahre, die ich im Mittleren Osten gelebt habe, gespürt, gelegentlich an unerwarteter Stelle, z.B. beim Einkaufen, als es darum ging das Gekaufte in eine Zeitung einwickeln zu lassen. Der Verkäufer achtete demonstrativ darauf, dass in dem Zeitungsartikel kein Koranvers abgedruckt ist, um den „edlen“ Koran nicht zu entehren. Allerdings teilen auch arabische Zeitungen das Schicksal aller Zeitungen: sie werden über kurz oder lang weggeworfen, vielleicht auch verbrannt. Es werden also nicht wenige Koranverse in den arabischen Zeitungen, deren Artikel oft den Islam zum Thema haben, vernichtet. Muslime könnten entspannter leben, wenn sie bei dieser Problematik zwischen dem Ur-Koran, der „wohlverwahrten Tafel“ (Sure 85,22) und dem gedruckten Exemplar, dem „mushaf“, konsequenter unterscheiden könnten.

12 August, 2010

Erhitzte Gemüter im Ramadan

وكان القس تيري جونز دعا إلي إحراق نسخ من القرآن الكريم أمام أبواب كنيسة فلوريدا في الذكري السنوية لهجمات سبتمبر‏.‏
واتهم جونز الإسلام والشريعة بالمسئولية عن الأحداث

laut der Al-Ahram von heute, will der amerikanischer Pfarrer Terry Jones am Jahrstag des 11. September vor einer Kirche in Florida die Kopie eines Korans verbrennen.

Es ist gut, dass sich die evangelischen Kirchen in Ägypten davon distanzieren. Interessant ist, dass hier wieder deutlich wird, wie wichtig eine reine, ungestörte und erhabene Wahrnehmung des Islams und seines Buches erhalten bleiben muss: Der Koran ist in erster Linie ein ästhetisches Buch. Es geht um den unmittelbar als göttlich wahrzunehmenden sinnlichen Eindruck. Die meisten Muslime sprechen kein Arabisch (Idonesier, viele Afrikaner). Die Terminologie, die Begriffe können sie nicht verstehen. Dieses Buch muss man hören. Der Klang ist wichtig. Es ist ein Hörbuch. Eine Ikone. Ein Symbol. Ein Sakrament. So etwas verbrennt man eben nicht. Die Verbrennung selbst ist ebenfalls ein höchst ästhetisches Ereignis. In Zeiten, wo der Diskurs mit seiner Terminologie in der Krise ist, wo sich Sprache im Ästhetischen verliert, sucht der Diskurs neue semantische Wege, dazu gehört die Verbrennung von Koranen, Flaggen und gelegentlich auch Bibeln.

Wenn man Bibeln verbrennt, wie dies am 11. Juli 2007 in einem Beitrag der ARD von Tilman Jens geschehen ist, gibt es zwar Empörung, aber keine nationale oder gar globale Erregung. Die Empörung einiger bezog sich dann wohl auch mehr auf den Inhalt der ganzen Dokumentation, als auf die im Bild verbrennende Bibel.

Wichtiger als die Bibel ist Christen Jesus Christus selbst. Das Satire-Magazin Titanic hat sich wohl deshalb immer wieder bemüht, Jesus als Satireobjekt zu gebrauchen:



"Spielt Jesus noch eine Rolle?" Nun: Zum ersten kann man die Kreuzigung, die ja bereits eine Karikatur ist, nicht wirklich steigern. Gott hat sich um der Menschen willen in Jesus bereits selbst als König der Juden karikieren lassen. Zweitens spielt Jesus gemäß diesem Heft genau die Rolle, die er immer gespielt hat: Er ist für den Dreck zuständig. Alles im Lot darf man da wohl sagen. Das ist jedenfalls der Grund, warum ich Christ bin und bleibe. Er spielt die entscheidende Rolle in einer schönen schmutzigen Welt. Zugegeben, die Ästhetik mit der Toilette ist etwas ungewohnt, aber die Semantik ist eindeutig.

12 Juli, 2010

Al-Ahram heute:

Zettel:
Preiserhöhung Juli 2010 und alle Preiserhöhungen
Streichholz: Preise
Ärmel: Regierung

08 Juli, 2010

Al-Ahram heute:

Auf dem Schild: Musik Nein! Schleier Ja!
"10% der in Britannien lebenden Muslime wollen ihren Kindern die Teilnahme am Musikunterricht verbieten."


Es ist bekannt, dass Muhammad keinen Hang zur Musik hatte. Es gibt außer dem vielfältigen kunstvollen Koranvortrag keine Musik in der Religion des orthodoxen/sunnitischen Islam.

03 Juli, 2010

Dazu passt auch ein Gedanke, mit dem ein Wort zum Freitag von Ali Gumaa in der Al-Ahram endet:
لقد أصبحت هذه الرحلة رمزا أبعد وأوسع من حدود الزمان والمكان لتأكيد أن الإسلام هو دين الله الخاتم وهو الدين الذي أرسل بأصله الأنبياء والمرسلون لهداية العالمين‏.‏

"Diese Reise (Nachtreise Muhammads) bringt als Symbol etwas ans Licht, welches weiter und breiter ist als die Grenzen von Zeit und Raum und versichert: dass der Islam die Religion des Siegels Gottes ist und eine Religion, die gesandt wurde, damit die Welt durch die Propheten und Gesandten die Rechtleitung (hadaaya) erfährt." (Die sich sozusagen auf alles ausdehen soll.)
Moscheebesuch

Gestern war ich mal wieder im IKZ-Wolfsburg. Thema: na'ama al-xalq wa-l-hidaaya: Die Gnade der Schöpfung und der Rechtleitung. Interessant war, dass sich die Rechtleitung auch auf die Schöpfung insgesamt ausdehnt. Eine Wolke und andere Geschöpflichkeiten können rechtgeleitet sein. Von diesem Konzept aus gesehen, geht das Muslimsein über den Menschen als Muslim hinaus. Islam bedeutet dies anzuerkennen. Die Rechtleitung ist eine umfassende Spielart des Unterworfenseins unter Gott. Das bedeutet Islam. Was ist aber, wenn Rechtleitung im eigenen Leben nicht erfahren wird, weil der Mensch scheitert? Was dazu gesagt wurde, wenn es denn gesagt wurde, habe ich nicht verstanden. Es gab nur eine ganz kurze deutsche Zusammenfassung aus dem Hocharabisch.

25 Juni, 2010

Al-Ahram heute:


"Papa, glaub` dem Wetterbericht kein Wort. Der einzige Grund dieser katastrophalen Hitzewelle sind die Nerven der Schüler und ihrer Erziehungsberechtigten, die wegen der Abiturprüfungen (wörtl.:) durchbrennen."

24 Juni, 2010

Al-Ahram heute:

"Wie hast du das bemerkt (wörtl. gewußt), dass ich alle Spiele der Weltmeister anschaue?"

22 Juni, 2010

Al-Ahram Karikatur heute:


Klagetafel. 18. Dynastie. (1500 Jahre v. Chr.)
"Aus Anlass der saisonbedingten Abiturprüfungen"

12 Mai, 2010

Mal wieder Zeit für eine Karikatur aus Al-Ahram,
eine lustige:

"Ich möchte Dir sagen: Ich habe soviel Geld, wie Du Haare auf dem Kopf hast. Du musst mich nicht einladen."

10 April, 2010

Kant - Nietzsche - Kevin

Immanuel Kant hatte, wie man weiß, alles auf den Kopf gestellt, man nannte ihn den Alleszermalmer. Nicht der Tisch sagt uns, dass er ein Tisch ist, sondern unsere menschlichen Verstandesmittel tun dies, wenn sie an die Erscheinung des Tisches herantreten: die Kategorien, Schemata usw. Vielleicht hatten wir das mal in der Schule. Ändern wir das Bild geringfügig: Kant wirkte wie ein neu ausgerüsteter Landwirt, der das Feld der Erkenntnis mal so richtig umpflügte. Er hat als Aufklärer frischen Sauerstoff in die Erde gelassen. Die Vernunft in ihren Grenzen wirkte dabei wie ein katalytischer Kunstdünger. Allein das Feld war noch nicht ganz bestellt. Das sollte die praktische Vernunft tun. Kant war immer inspiriert von dem "gestirnten Himmel" über ihm und "dem moralischen Gesetz" in ihm. Sein kategorische Imperativ sollte zu einem ethischen guten Leben den Grund geben. Das hätte alles auch gut funktionieren können, wenn nicht eines Tages Friedrich Nietzsche den "Horizont" einfach "weggewischt" hätte, so dass man den Himmel nicht mehr sehen konnte und er auf dem Acker seinen maßlosgewordenen Übermenschen setzte, der darauf herumlief und schrie: "Gott ist tot." Die Menschen nahmen dies als willkommenen Anlaß endlich mal das zu tun, was sie schon immer tun wollten - unbeobachet. Jeder pflanzt nun auf dem frischen Acker, wie und was er will. Jeder? Nein nicht jeder: Kevin sitzt allein zu Haus und hat keine Lust ein "Übermensch" zu werden. Er bleibt lieber bei der "phänomenalen" Welt von "World of Warcraft". Die "noumenale" Welt seiner Erzieher können ihm das nicht verbieten, weil sie keine wirklich guten Argumente haben. Wie auch wenn es eine Letztbegründung nicht gibt? Wer hat schon die Autorität zu sagen: Schluss jetzt!? Und während Kant und Nietzsche sich in der Wolle haben, gehe ich morgen in den Gottesdienst und bestelle das Feld mit dem Saatgut der Schriften aus dem Neuen Testament, z.B.: Mk 4,23: Bei dem aber auf gutes Land gesät ist, das ist, der das Wort hört und versteht und dann auch Frucht bringt.

...träumte ich und wachte vor 7.00 Uhr auf und schrieb es nieder.

04 März, 2010

Al-Ahram heute mal mit Sokrates:

Die Weisheit von heute, ist die Weisheit aller Tage.

"Nichts schadet dem Menschen mehr als die Zufriedenheit über sich selbst, denn die Zufriedenheit darüber ist die Genügsamkeit im Angesicht des Niederganges."

Kennt jemand das Orignal? "im Angesicht des Niedergangs" oder "führt zum Niedergang"!?

21 Februar, 2010

Ah-Ahram heute:

Profiboxen

"Mach doch nicht so ein Krach, Mama. Schau doch lieber den Bildungskanal."

erinnert an den Cartoon vom 5. Februar 2009

20 Februar, 2010

Moscheebesuch

Thema war gestern: Die Liebe zu Gott. Die Muslime wurden aufgefordert Gott mehr zu lieben als alles andere. Diese Aufforderung deckt sich mit der von der christlichen Sichtweise. Die Frage ist nur an was entzündet sich diese Aufforderung: an der Liebe zur Mächtigkeit Gottes (laa quwa illa bilaahi - keine Kraft außer durch Gott) oder an seiner Liebe zu uns, die sich in Jesus Christus konkret ereignet und sichtbar wird.

Interessant fand ich folgenden Flyer der dort auslag.
Am Schluss wird gefragt:

"Wie willst du also am jüngsten Tag vor dem allmächtigen Gott stehen, wenn du dich jeden Tag fünfmal schwer versündigst?"

Dieser Flyer atmet klassische Gesetzesfrömmigkeit.






16 Februar, 2010

Die Gaskrise scheint vorbei zu sein: Al-Ahram:



Kinderstation:
"Gepriesen sei der Herr! Was habe ich mich schon die ganze Zeit darauf gefreut!"

15 Februar, 2010

Keine Gasflaschen in Ägypten. Immer noch Thema in Al-Ahram.


"Er wird dir eine Gasflaschen bringen. Und du wirst einen respektablen Schleier (Netz) an diesen Wert anbringen. ...Kein Gold, .... du Dummerchen."

14 Februar, 2010

Al-Ahram heute:

"Zum Valentinstag... ich wünsche dir alles Gute, Liebling..."

(Die Gasversorgungskrise dauert also noch an.)

11 Februar, 2010

Al-Ahram erinnert uns heute an alte Zeiten, als es in Assuan zweitweise nicht genug Gasflaschen gab.


Gasdepot

"Hast Du eine volle Gasflasche bekommen?"
"Nein, ich habe eine Bombe erhalten"

Der Witz besteht zwischen der Ähnlichkeit von "'anbuuba" (Gasflasche) und "bumba" (Bombe)

22 Januar, 2010

Im noch Thema Schweinegrippe in Ägypten:


"Mutter! Ich habe keine Angst vor den Prüfungen... Ich habe Angst, dass sie uns holen um uns im Untersuchungsraum zu impfen."

21 Januar, 2010

Das Thema Schweinegrippe läßt die Ägypter immer noch nicht zur Ruhe kommen.


Auf dem Schild steht: Zentrum für Privatunterricht

Weil der Unterricht massenhaft ausfällt, schicken mehr und mehr Eltern ihre Kinder in den Privatunterricht.

19 Januar, 2010

Heute zum Thema: Muslime und Christen

Muslim + Christ = Ägypten

18 Januar, 2010

Heutige Karikatur immer noch zum Thema Nag Hammadi:



In dem Herz:
"Nationale Einheit"

13 Januar, 2010

Das Thema Christen und Muslime wegen des Zwischenfalls in Nag Hammadi geht weiter:


"Unser gemeinsame Feind ist der Teufel"

12 Januar, 2010

Die Karikaturisten von Al-Ahram nehmen sich weiter des Themas Christentum und Islam an:

..Ohne Worte..
nicht ganz: Auf der Moscheekuppel steht von rechts nach links:
Allahu akbar (Gott ist größer) und Allahu muhabba (Gott ist Liebe).




"Wasche deine Hände vor dem Töten und danach!
aus: gültigen zeitgenössischen Anleitungen"

Um welche Anleitungen es sich hier wohl handelt?

11 Januar, 2010

Al-Ahram heute:



Unter dem Zuckerrohr sitzen links ein Kopte und rechts ein Moslem.

"Diese Beiden kauen (wörtl. saugen) Zuckerrohr von einem Feld."
"Es lebe unser Ort Bahuguura (bei Nag Hammadi) in Liebe und Frieden."

10 Januar, 2010

Al-Ahram heute:

über dem Zaun steht: Ägyptische Grenzen
"Keinen Waffen- und Drogenschmuggel in die inneren Landesteile Ägyptens"
Die ägyptische Staatssicherheit

09 Januar, 2010

Al-Ahram heute:


"Ein Bild, ein Bld, ein Bild"
"So sind wir alle, wir wollen ein Bild"

08 Januar, 2010

Al-Ahram heute:

In der Oberägyptischen Stadt Nag Hammadi wurden während eines ägyptischen Weihnachtsgottesdienstes sechs Christen und ein Polizist vor der Kirche aus einem fahrenden Auto heraus erschossen. Al-Ahram titelte:

الأمن : حادث نجع حمادي غير طائفي

"Sicherheit: Zwischenfall in Nag Hammaadi hat keinen religiösen Hintergrund"

Wenn man überlegt, dass man wahllos auf Christen geschossen hat und dies an Heiligabend, dann fällt es schwer zu glauben, dasس dies keinen religiösen Hintergrund haben soll, auch wenn die Sache in Verbindung mit einer Vergewaltigung eines muslimischen Mädchens durch einen Christen stehen soll.

06 Januar, 2010

Al-Ahram Cartoons von heute

Auf der Tafel steht: Augentest, 100 Ägyptische Pfund
"Also das kann ich jetzt nicht lesen. Lassen wir das, Herr Doktor!"

Die Konsulation in der Augenklinik in Darau, Oberägypten kostet übrigens 10 Ägyptische Pfund




"Deine Steuererklärung ist ganz einfach: eine viereckige Holzkiste, zwei Dosen Schuhcreme und zwei Bürsten...!"

05 Januar, 2010

Al-Ahram Cartoon heute


"Wie [können] sie sagen, dass die Schweinegrippenimpfung keine Nebenwirkungen hat... der Bildungsminster hatte nach der Impfung sofort welche."

04 Januar, 2010

Al-Ahram heute

Über den beiden linken Figuren steht "Frohes Jahr"

Auf dem linken Männchen steht das Wort "al-fasaad". Es bedeutet hier: die Dekadenz oder die Korruption.
Unter der Treppe sind die Jahreszahlen von 2010 -2018 von oben nach unten gelistet.

Das eine Männchen sagt zum anderen Mänchen auf der Treppe:
"Mach langsam! Wir werden diese Treppe hinabgehen und danach werden wir sie wieder hinaufgehen."

03 Januar, 2010

aus Al-Ahram heute:

"Glaub's oder glaub's nicht. Ich spreche vom Handy aus während ich getragen werde."

Es handelt sich hier um ein Wortspiel mit dem Begriff "mahmuul". Es bedeutet "Handy" und "getragen werden".

Ich würde anaolg zum Deutschen den arabischen Begriff für Handy mit "Tragi" übersetzen, ein Telefon, das man trägt.
Dann müßte man vielleicht den Witz folgendermaßen annähern: "Ich spreche vom Tragi aus, währen ich getragen werde."

Satt des roten Kreuzes, trägt man roten Halbmod.

02 Januar, 2010


Die Karikatur von heute ist die Karikatur vom 3. Januar 2009. Lediglich die 8 wurde durch die 9 vertauscht. (siehe 3. 1.2009)

01 Januar, 2010

Erste Al-Ahram Karikatur des Jahres



"Der Planungsminister fragt Sie...
...wann werden Sie mit dem Nachwuchs aufhören, damit er planen kann?"

31 Dezember, 2009

Al-Ahram Cartoon von heute:


Überschrift: Frohes Jahr
Eine Art Nikolaus verteilt das Antivirenmittel "Tamiflu".

Die Ägypter rechnen also immer noch mit der Schweinegrippe.

30 Dezember, 2009

1. Al-Ahram Karrikatur von heute

"Einen Tee mit wenig Zucker bitte und einen Tee (Wörtlich: mit dünnem Blut) denn es kommt ein neues Jahr.

"sukkar xafiif" und "damm xafiif" sind das Wortspiel. Der Ausdruck "dünnes Blut" bedeutet fröhlich, Frohnatur.

xafiif bedeutet: schwach, zerbrechlich, dünn, wenig, leicht


2. Al-Ahram Karikatur von heute



Auf dem Kalender steht:
Jahr 2010, darunter: Frohes Jahr

"Ich habe dem Verkäufer gesagt: Wenn mir das Jahr nicht gefallen sollte, dann werde ich ihn zurückgeben und mein Geld zurückverlangen."


Für meine Umgangsarabisch lernende Freunde:

ana 'ult lil-bayyaa´ iza is-sanna dii m´agabitniisch ha'rga´haalak wi astaridd filuusii.

m´agabitniisch: die Verneinung maa ist mit dem langen a durch den gleichklingenden Anschlusslaut mit Ayin assimiliert.

ha'rga´haalak: ha- = Futurindikator; haa - Pronomen des Akkusativobjektes; l-ak = Präposition l- plus Dativobjekt -ak, 2. Person singular/ m.

'astaridd: wenn man dieses Wort nicht kennt, kann es passieren, dass man es vergeblich unter 8. Stammform von s-r-d sucht. Dies ist aber die 10. Stammform von radd. 'istaradd : zurückrufen, die Rückgabe verlangen, zurücknehmen.

26 Dezember, 2009

Heutige Karrikatur (Al-Ahram)



Wir warten auf die (Erleichterung, Öffnung?)
...Sie kam nicht...
Sagen wir, wir warten auf die Jungfrau Maria

Hintergrund: Am 11. Dezember gab es angeblich eine erste Marienerscheinung in einem Stadtteil von Gisa in den frühen Morgenstunden von 1.00 - 4.00 Uhr. Darauf folgten immer weitere Erscheinungen in den Folgetagen - wohl bis vor kurzem noch.

10 Dezember, 2009




Minibus

Wer Ägypten kennt, weiß, was hier gemeint ist. Allerdings sind diese Kollapsprognosen und andere Eskalationsprophezeiungen schon seit Jahrzehnten nicht eingetroffen - oder ist hier das Weltklima gemeint - wohl kaum?

20 November, 2009

Moscheebesuch heute

Ich war mir nicht mehr sicher und traf daher kurz nach 12.00 Uhr (offizielle Gebetszeit zum Mittagsgebet) im Gebetssaal ein. Es ging dann erst um 12.30 Uhr los. So wird es die ganze Winterzeit über sein.

Heute ging es um die Rechtleitung. Der Mensch wurde aus dem Paradies entlassen - ohne Angabe des warum - die erste Koranstelle war die aus 2,38: "Wir sprachen: >Hinfort mit euch von dort allesamt! Und wenn zu euch von Mir eine Leitung kommt, wer dann Meiner Leitung folgt, über die soll keine Furcht kommen, und nicht sollen sie traurig sein."

Die Rechtleitung bietet nur der Islam, so der Prediger.

Es gibt laut Imam vier Stellen, wo der Islam im Koran zum Thema gemacht wird:
  • 3,19: "Siehe, die Religion bei Allah ist der Islam...
  • 3,85: "Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt, nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er verloren sein."
  • (5,3:) "...es ist mein Wille, dass der Islam euer Glauben ist..."
  • 6,125 "... und wen Allah weiten will, dem weitet Er seine Brust für den Islam"
  • (39,22:) "... dessen Brust Allah für den Islam ausgedehnt hat ..."
  • 61,7: Wer aber ist ungerechter, als wer wider Allah eine Lüge ersinnt, wo er zum Islam aufgefordert wird...
Es sind also eigentlich mindestens sechs Stellen. (Ich musste nochmal in der Konkordanz nachschlagen, weil ich mir die Stellen nicht alle merken konnte.) Ich möchte noch Vers 61,9 ergänzen: "Er ist´s, der Seinen Gesandten mit der Leitung und der Religion der Wahrheit entsandt hat, um sie über jede andre Religion siegreich zu machen..."

Zum Schluss der Predigt wird aber noch erwähnt, das man nicht im Einzelfall sagen könne, dieser oder jener komme in das Paradies oder in die Hölle.

Ich dachte nur gut, dass man als Christ im Namen von Jesus Menschen Vergebung und ewiges Leben zusprechen darf.

05 November, 2009




"FROH! ist ein Gesellschaftsmagazin, das besondere Ereignisse des Jahres aufgreift und sich neugierig auf die Fragen und Themen hinter diesen Anlässen einlässt. Die Beitragenden schenken dem Magazin nicht nur ihre Texte und Bilder, sondern den Lesern auch neue und überraschende Blickwinkel. Durch die sorgfältige Komposition von Beiträgen aus Kultur, Gesellschaft, Spiritualität und nachhaltigen Lebenskonzepten entsteht ein hochwertig gestaltetes Magazin, das nicht nur FROH! heißt, sondern auch froh macht."

(siehe Link-Leiste)

31 Oktober, 2009

Gott als Gast

Gastfreundschaft ist nicht zu verwechseln mit Gastlichkeit, der Art und Weise, mit der ein Gastgeber seinen Gästen eine möglichst angenehme Atmosphäre und Versorgung bietet. Die Gastfreundschaft richtet ihren Blick auf den Fremden. Das altgriechische Wort xenos meint beides: Fremder (Feind) und Gast (Freund). Diese sprachgeschichtliche Eigentümlichkeit, die sich auch im Lateinischen (hospes = Fremder, Gast, Wirt) widerspiegelt, macht sehr anschaulich, worum es in der Gastfreundschaft geht, nämlich um eine kritische Ermessensfrage: Ist der Ankömmling Freund oder Feind, ein Betrüger oder ein Gesandter, ein Hausierer oder ein Notleidender? Die Aufnahme eines Fremden ist daher immer ein Wagnis – für beide Seiten. Der französische Philosoph Jacques Derrida (1930-2004) unterscheidet in seinem Buch „Von der Gastfreundschaft“ zwei Arten: die bedingte und die unbedingte Gastfreundschaft. Mit einem Beispiel für eine bedingte Gastfreundschaft, verweist er – Immanuel Kant zitierend – auf die Gewohnheit, den Gast nach seinem Namen zu fragen. Indem der Fremde seinen Namen nennt, wird er gefordert, Verantwortung für sich, vor dem Gesetz und vor seinem Gastgeber zu übernehmen. Er wird zum Rechtssubjekt. Er wird identifizierbar. Auf der anderen Seite gibt es die unbedingte Gastfreundschaft. Sie bedeutet völlig uneingeschränkte Aufnahme des Gastes. Er muss sich nicht erst ausweisen.

Gast mit Namen
Gott beschließt, sich um sein Volk zu kümmern, – der biblische Ausdruck hierfür lautet „heimsuchen“ – er begegnet Mose und stellt sich ihm als Gott der Väter vor. Mose will es genauer wissen und stellt die Frage: Wie ist sein Name? Gott formuliert daraufhin Ich bin der, der ich sein werde (Jahwe). Gott wird mit diesem Namen identifizierbar. Er übernimmt Verantwortung. Gott macht sich zur Rechtsperson und formuliert am Sinai einen Bund mit den Menschen. Er geht damit auf die Bedingungen seines Volkes ein, das er „besuchen“ will.

Für den Islam ist diese Möglichkeit nicht denkbar, weil sie die Souveränität Gottes einschränken würde. Die Namensgebung stellt nämlich für den großen islamischen Theologen Abu Hamid al-Ghazali (1058-1111) im letzten Kapitel seines berühmten Buches über die 99 schönsten Namen Gottes ein Problem da, weil Gott kein Name gegeben werden kann. Diese souveräne Handlung würde den Namensgeber über Gott stellen. Für uns ebenfalls bedeutsam ist die Gegebenheit, dass die 99 Namen Gottes und auch der Ausdruck Allah nicht für einen Eigennamen Gottes herhalten können (entgegen der Meinung der Wahabiten und der Ahmadiyya). Denn der Ausdruck Allah wurde bereits vor dem Islam von Christen und Juden allgemein für Gott gebraucht. Der Begriff ist eine Zusammenziehung aus al-ilah, die Gottheit, zu Allah mit eben der Bedeutung: der Gott. Gott im Islam bleibt damit im Sinne der angesprochenen Unbenanntheit der nicht belangbare Gott.

Abraham als Gastgeber
In der Bibel dürfen Abraham und Sarah als Beispiel für besondere Gastfreundschaft gelten (Gen.18,1-15). Drei Männer kommen zu Besuch. Abraham kennt ihre Namen nicht, und dem Gesetz der unbedingten Gastfreundschaft folgend, fragt er nicht danach. Er redet die Ankömmlinge aber mit Adonaj (Herr) im Singular an. Er führt die Gäste in den Schatten, besorgt Wasser für die Füße und Brot zum Essen. Er schlachtet eigenhändig für sie ein Kalb und bringt ihnen Milch. Sie nehmen die Gastfreundschaft an und bestätigen dies, indem sie essen. Etwas anders wird dieselbe Geschichte hunderte von Jahren später im Koran (Sure 51,24-29) erzählt. Dort wird nur das Kalb erwähnt und die Frage des Gastgebers Esset ihr nicht? legt die Annahme nahe, dass sie nichts zu sich nahmen. Liegt es daran, dass sie als Gäste keine weiteren Verpflichtungen eingehen möchten? Wer im Orient ein Essen annimmt, wird für diesen Moment Teil der Hausgemeinschaft und damit auch in die Pflicht genommen. Der arabische Hausherr in Ägypten verkündet beispielsweise heute: al-bait baitak! Das Haus ist dein Haus! Der Gast wird aufgenommen in der Hoffnung, dass er sich eines Tages erkenntlich zeigen wird. Gastfreundschaft ist im Orient in der Regel oft auch bedingt, z.B. mit der Begrenzung auf drei Tage, aber unbedingt, wenn nach einer langen Reise jemand nach Wasser fragt. Der Reiche wird wiederum anders aufgenommen, als der Palästinenserflüchtling. Aber selbst dann, wenn der Gastgeber nichts vom Gast erhalten sollte, wächst doch seine Ehre, wenn er ihn aufnimmt.

Jesus als Gast
Jesus kennen wir in der Bibel als Gast. Er wird oft eingeladen, auf Hochzeiten, zu Pharisäern, Zöllnern und Sündern, mal lädt er sich auch selbst ein, wie z.B. bei Zachäus, dem Zöllner (Lk.19). Der katholische Münsteraner Theologe Gerhard Hotze (geb. 1962) widmet sich dem Thema „Jesus als Gast“ in einer gleichnamigen Studie (2005). Es geht darin um die Einkehrerzählungen von Jesus im Lukasevangelium, die als Bild für Gottes Heimsuchung seines Volkes ausgelegt werden können. Es ist auffällig, dass Jesus immer wieder eingeladen wird und sich dabei intensiv einzelnen Menschen widmet. Jesus, der Gast, bewegt sich im Verlauf der Berichte auf einer tieferen Ebene als der eigentliche Gastgeber. Bei der berühmten Hochzeit von Kana (Joh. 2) geht plötzlich der Wein aus. Jesus nimmt sich diesem Manko als Gast an und versorgt die Hochzeitsgesellschaft durch ein Wunder mit einer Überfülle besten Weines.

Unbedingte Gastfreundschaft
Wenn man die Heilsgeschichte Gottes als Geschichte des Fremdseins in der Welt versteht (Abraham als Nomade ist der Urtyp des Menschen in der Fremde, ein Grossteil der Bibel sind Exodus- und Exilsgeschichte etc.), dann kann man diese Geschichte auch als Geschichte der Gastfreundschaft verstehen, die im Johannesprolog ihren speziellen Ausdruck findet, wenn es heißt (Jh.1,14): Und das Wort ward Fleisch und wohnte (wörtl. zeltete) unter uns. Dieses fleischgewordene Wort erwartete Aufnahme, aber es heißt dann (Joh.1,11b): die Seinen nahmen ihn nicht auf. Mit dem Kommen von Jesus entsteht auch hier die oben erwähnte Krise. Ist dieser Gast namens Jesus Freund oder Feind? Bei den Ausgegrenzten, den Sündern, Zöllnern und Kranken findet er durchgängig freundliche Aufnahme. Die herrschende Klasse aber hatte in ihm einen Feind ausgemacht und an das Kreuz schlagen lassen. Für Jesus galt hingegen: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen (Lk 6,27). Darin formulierte und vor allem lebte Jesus das, was auch Derridas Anliegen gewesen war: Die unbedingte Gastfreundschaft.

01 Oktober, 2009

Kardiosklerose

Der Monatsspruch im Oktober (Hesekiel 11,19) lautet: Gott spricht:

Ich schenke ihnen ein anderes Herz und schenke ihnen einen neuen Geist. Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz von Fleisch.

„Kardiosklerose“ – Herzverhärtung, so könnte die Diagnose der Hartherzigkeit lauten. Dieser Begriff ist nicht im großen medizinischen Wörterbuch, dem Pschyrembel, dem Brockhaus der Mediziner verzeichnet. In Hesekiel geht es nicht um eine medizinische, sondern um eine geistliche Schwäche. Menschen, die an dieser Krankheit leiden, sind nicht mehr in der Lage ihrem Gewissen oder ihrer Einsicht zu folgen, ja selbst ihr Geist scheint am „sklerotischen“, eben verhärteten Herzen zu versagen. Das NT dreht unseren anfangs erwähnten Ausdruck unseren Gewohnheit entsprechend um: „Sklerokardia“ nennt Jesus im griechischen NT (Mt.19,8) die Hartherzigkeit, die Mose veranlasste den Scheidebrief einzuführen. Diese Art Sklerose ist eine chronische Volkskrankheit. Es scheint niemand davor gefeit zu sein. Sie beginnt langsam und steigert sich zu einem Härtegrad, der keine Barmherzigkeit mehr zulässt. Zwei erhärtete Herzen haben sich zu einem anorganischen Ding verwandelt. Es sind zwei Steine geworden, die weder Liebe abgeben noch aufnehmen können. Hier helfen keine Appelle. Hier hilft keine Übung mehr. Es nützt auch keine Krankengymnastik, die man uns an Herz legen möchte. Einzig und allein ist jetzt eine Organtransplantation angesagt. Wir müssen unter das Messer. Nur gut, dass wir es nicht mit einer medizinische Sache zu tun haben, sondern mit einer geistlichen. Der OP-Tisch Gottes ist nicht sichtbar, aber deshalb nicht weniger wirksam. Was jetzt gefragt ist, ist das gewagte Vertrauen in den Operateur, in die göttliche Chirurgie und ihre Kompetenz. Was wird wohl passieren, wenn wir Gottes Geist an Ort und Stelle den entscheidenden Schnitt machen lassen?

19 September, 2009

Die Karikaturen zum Ende des Ramadans


Hat dich jemand mit einem Backstein getroffen?
Nein ... mit einem Keks!
- Festkeks-



Das Fest...
und der Festkeks

01 September, 2009

Gegen den Strom

Christsein ist wie das Schwimmen gegen den Strom. Am Anfang fällt dies im Wasser eines breiten Stromes relativ leicht. Je näher man der Quelle kommt, um so schneller und stärker fließt aber das Wasser. Die im Weg liegenden Steine kommen immer häufiger vor und werden größer. Es sind die Herausforderungen des Lebens. Sie sind zwar unangenehm, aber als Voraussetzung um im Glauben Erfahrungen zu machen, kann man sich von Zeit zu Zeit an ihnen festhalten, gelegentlich auf ihnen ausruhen. Was einen nicht aufgeben läßt, ist die immer besser werdende Qualität des Wassers.

05 Juli, 2009

Hebräische Verben
(erhältlich ab September)




Kurzbeschreibung
"Wer die hebräische Sprache erlernen will, steht vor der Herausforderung, sich die Verbstämme einprägen zu müssen, die fast alle aus drei Buchstaben bestehen. Andreas Käser hat eine Methode entwickelt, die u.a. jedem hebräischen Buchstaben eine Bedeutung zuweist. Jedes hebräische Verb erzählt eine kleine Geschichte, so salbt z.B. der Schweizer den Maschendrahtzaun. Thomas Dallendörfer hat dies in ein Bild umgesetzt. Mit dieser Methode werden die hebräischen Verben nicht nur deutlich schneller erlernt – sie prägen sich auch tiefer ein und bleiben länger präsent."

Zu dem Beispiel auf der Titelseite: Das Verb galah kann man aufspalten in eine Silbe (Gal = Gallier) und eine Buchstaben, das He (immer eine Tür). Die Bedeutung des Verbs ist: "aufdecken". Die Geschichte: Der Gallier deckt die Tür auf. Das kann man kaum noch vergessen.

26 Juni, 2009

Moscheebesuch in Wiesbaden

Eigentlich wollte ich in eine arabische Moschee. Der orientalisch aussehnde Taxifahrer verwies mich auf die Dotzheimerstr. 24. Wie sich dann um 13.30 Uhr herausstellte, handelte es sich um einen türkischen Moscheeverein, "Islamisches Kulturzentrum e.V." Auf ihrer Homepage werden die Besucher am Freitag mit 450 angegeben. Ich denke, es waren nicht mehr als 300. Die etwa siebenminütige Predigt war auf Türkisch.

16 Juni, 2009

Bekenntnis

In vielen Kirchen steht man beim Bekenntnis auf.
Warum eigentlich?

Dazu zwei Zitate:

In einer ARTE-Sendung vom 3. Juni 2009 wird Peter Sloterdijk gefragt:
Was würden sie Benedikt XVI. in einer SMS schreiben.

„In einer empfindlichen Welt ist es nicht mehr klug mit übertriebenen Bekenntnissen aufzutreten. Eigentlich ist heute jedes Bekenntnis eine Übertreibung die andern Menschen weh tut. Vielleicht wäre es für das Papsttum ganz sinnvoll, wie für das Christentum ganz allgemein, sozusagen seine Überzeugungen nicht mehr so sehr in Worten, sondern in Handlungen auszudrücken.“

Dazu noch ein Zitat von Hanns Lilje:

„Die Christenheit wird sich darauf einrichten müssen, dass es weite Bereiche im modernen Leben gibt, in denen nur noch eine einzige christliche Sprache verstanden wird, die Sprache selbstlosen Dienstes und Opfers.“

aus: Hanns Lilje, Atheismus – Humanismus – Christentum, 1962. S. 22.

15 Juni, 2009

Heutiges Cartoon




Im Iran
Achmadineschad:
"Wählt mich! Ich bin eine Atombombe!"

31 Mai, 2009

Karikatur von heute


Sprechblase:
"Es gibt niemand, der den Kinder sagt, dass dieser Film unter 16 verboten ist."
Untertitel:
- Verbreitung der Satellitenschüssel -

29 Mai, 2009

Moscheebesuch

Heute ging es um das Thema Handel im übertragenden Sinne. Wie bei einem Handel kommt es darauf an etwas bei Gott einzusetzen, um dann Lohn zu erhalten.

(Bezug zu Sure 35,29?)

Es gibt fünf Aspekte die für Gott eingesetzt werden.

1.) Gebet. Dazu gehört auch das Gottesgedenken.
2.) Gemeinschaft. Dazu braucht es einen Ort. Muhammad war es deshalb wichtig möglichst bald in Medina eine Moschee zu errichten. Auf die Akzeptanz der Unterschiedlichkeit dieser Gemeinschaft wurde wert gelegt.
3.) Familie, die besonders geschützt und verteidigt werden muss. Hier in Deutschland z.B. vor der Unmoral.
4.) Wissen (ausschließlich im Sinne von Koranwissen)
5.) Einsatz von Vermögen (Jihaad al-maal)

Eine Rolle spielte auch die Waage (ein Bild aus dem Handel), mit der die Taten der Menschen gewogen werden. "Al-hamdu-l-allah yitammin al-mizaan". "Gott sei Dank, dass er auffüllt, was fehlt", so der Iman heute.

20 Mai, 2009

Es wird mal wieder Zeit für ein Cartoon aus der Al-Ahram (von heute)



Amerikanische Versuche bei einem Friedensvertrag zwischen Israel und Palästinensern "anzukommen"!!

04 April, 2009

Moscheebesuch am 03.04.2009

Zur offiziellen Gebetszeit um13.20 Uhr kam ich zum islamischen Zentrum. Dort erfuhr ich, dass das Freitagsgebet auf 15.00 Uhr für die ganze Sommerzeit verschoben wurde. Ich war nicht der einzige, der dadurch zu früh kam.
Um 15.00 Uhr: Der Raum war von Anfang an fast gefüllt und nur wenige kamen später. Entweder ist 15.00 Uhr eine bessere Zeit oder die Predigt vom 13.03. hat gefruchtet. (siehe Post vom 14.03)
Das Thema heute: Gesundheit und Krankheit. Krankheit ist Prüfung und dient der Läuterung. Das Leid führt zu Gott und dient dem Erlass von Sünden. Interessant war nun folgendes: Erst bei dem Hinweis darauf, dass Gott auch heilt, wurde Hiob erwähnt. Hiob steht also nicht in erster Linie für die Frage, warum leidet der Gerechte, sondern er ist einfach ein Beispiel für die Heilung von schwerer Krankheit durch Gott.
Fazit: Das Paradies wird sich verdient - sogar durch Leid. (Leid als ein Instrument Gottes).